2003 – Der Weltuntergang

schrift1

Voll Hunger und voll Brot ist diese Erde,
Voll Leben und voll Tod ist diese Erde,
In Armut und in Reichtum grenzenlos.
Gesegnet und verdammt ist diese Erde,
Von Schönheit hell umflammt ist diese Erde,
Und ihre Zukunft ist herrlich und groß.
(Komentensong aus Jura Soyfers „Weltuntergang“)

Fünf Jahre, nachdem sich im rampenlichtschrift zum ersten Mal der Vorhang geöffnet hat, zeigten wir mit „Der Weltuntergang“ erneut ein außergewöhnliches Stück.

Inhalt

Im Kosmos herrscht ein Durcheinander: Die Sonne stellt fest, dass die Sphärenharmonie gestört ist und macht die Erde als den Grund der Störung aus. Der Erdmond wird herzitiert und muss berichten, was mit der Erde los ist: Der Planet hat Menschen! Da diese Infektion nicht hingenommen werden kann, wird ein vorbei fliegender Komet dazu verpflichtet, auf die Erde zu prallen, um den Menschen den Garaus zu machen.

Die zweibeinigen Ziele der planetaren Attacke interessieren sich nicht sonderlich für die nahende Katastrophe. Vergebens versucht Professor Guck, ein Gelehrter, den Menschen die Augen zu öffnen. Er warnt, bietet Lösungen an. Doch er muss erkennen, dass die Menschen sich offenbar so viel mit dem Leben herum schlagen müssen, dass sie gar nicht dazu kommen, an den Tod zu denken. Und der Komet rückt immer näher…

Neben der zeitgenössischen Satire nimmt Soyfer die Verdrängungskünste der Menschen zeitlos aufs Korn. Die Moral von der Geschicht‘ kann Regisseur Jürgen Baumgarten schon jetzt verraten: „Wir wissen heute mehr als damals. Aber klüger sind wir nicht geworden…“

Hintergrund

Jura Soyfers satirisches Drama entstand 1936 unter dem Eindruck der Vorgänge im Deutschen Reich, über das seit 1934 ein kleiner Mann mit Schnurrbart unangefochten herrschte. 1933 erhielt dieser Mann schon viel Macht, wurde Reichskanzler, 1934 dann übernahm er auch noch das Amt des Reichspräsidenten – des Einzigen, der den Kanzler hätte entlassen können.

Im März 1936 hatte Hitler sich über die Verträge von Versailles und Locarno hinweggesetzt und war ins entmilitarisierte Rheinland einmarschiert. Das Ausland reagierte allein mit bescheidenen Protestnoten, was Soyfer dazu veranlasste, seinen „Diplomaten“ im Stück „Der Weltuntergang“ folgende Worte in den Mund zu legen: Franzose: „… der Weltuntergang kommt… Was wollen Sie tun?“ Engländer: „Nichts. Das ist immer das Sicherste.“

Rosita Reusch als die Sonne, die hier noch lacht

Das Stück mit dem Untertitel „Die Welt steht auf kein‘ Fall mehr lang“ wurde am 6.05.1936 in der Kleinkunstbühne ABC in Wien uraufgeführt und ist in der Altwiener Volkstheater-Tradition verankert. Am 11. Juli 1936 wurde es zum letzten Mal aufgeführt. Am gleichen Tag schloss der österreichische Kanzler Schuschnigg mit Hitler ein Abkommen, das den späteren „Anschluss“ Österreichs ermöglichte. Als die Alpenrepublik dann 1938 „Heim ins Reich“ geholt wurde, steckte man den Juden Soyfer in ein Lager, das er nicht mehr lebend verließ.

Mehr über den Autor finden Sie unter www.soyfer.at

Inzenierung

Ein Mammut-Stück! Mit 22 Darstellern, vielen Szenenwechseln und teilweise außergewöhnlichen Kostümen. Es gibt Szenen, in denen man lauthals heraus lachen kann und andere, in denen einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Eine Gratwanderung zwischen Komödie, Satire, Kabarett und Drama.

Es wurde viel gesungen in dieser Inszenierung. Zur Schonung Ihrer Ohren und unserer Stimmen übernahmen unsere Freunde vom Chor’don Bleu einen großen Teil des Gesangs.

Mitwirkende

Mitwirkende in alphabetischer Reihenfolge:

Christian Baumgarten
Jürgen Baumgarten
Michael Bischof
Michael Braune
Kathrin Czarnetzki
Susanne Ganter
Edina Hasselbrink
Anke Eggers
Mathias Knorr
Alexander Köpp
Tobias Lehmann
Reiner Meyer
Thomas Nickel
Angelika Päsler
Andreas Püst
Gerrit Rechten
Rosita Reusch
Evelyn Scheller-Wenzel
Matthias Schieferdecker
Edith Steuber
Gudrun Ullrich
Roswitha Zischke

sowie der Chor’don Bleu

Im mehr oder minder Verborgenen wirkten außerdem:

Helga Baumgarten
Ute Glitzenhirn
Meike Herrmann
David Johnson
Daniela Magdeburg
Giovanni Manconi
Kirstin Rechten
Renate Schieferdecker
Harri Schulz
Jörg Umbach

Termine

Samstag 27. September 2003 20 Uhr fast ausverkauft
Donnerstag 2. Oktober 2003 20 Uhr fast ausverkauft
Freitag 3. Oktober 2003 20 Uhr ausverkauft
Freitag 10. Oktober 2003 20 Uhr ausverkauft
Freitag 17. Oktober 2003 20 Uhr ausverkauft
Samstag 18. Oktober 2003 20 Uhr ausverkauft
Sonntag 19. Oktober 2003 19 Uhr ausverkauft
Freitag 24. Oktober 2003 20 Uhr ausverkauft
Samstag 25. Oktober 2003 20 Uhr ausverkauft
Sonntag 26. Oktober 2003 16 Uhr ausverkauft

Alle Aufführungen fanden wie gewohnt statt im evangelischen Gemeindehaus St.-Michaelis Süd, Werner-von-Meding-Str. 2, in Lüneburg-Oedeme.

Fotos

Pressekritik

Kritik LZ Weltuntergang